VfB 90 Dresden AH : SG Motor Dresden-Mitte 6:4 (3:3)

2. Spieltag, 1.Stadtklasse Senioren, 20.09.2014

Ein Spiel der Extremen – Langweile geht anders – ein Punktspiel dauert 157 Minuten

Der erste von zwei „Nachholern“ stand auf dem Tagesprogramm. Als Gast waren die Jungs von der SG Motor Dresden-Mitte angereist. Mit bisher nur einem Spiel (0:4) in der Saisonstatistik war die Stärke des Gegners überhaupt nicht einzuschätzen. Die Gastgeber hingegen mit einem Unentschieden in Heidenau (2:2) und einem Heimsieg gegen Hainsberg (3:2) in die neue Spielzeit gestartet.

Beim VfB 90 fehlte an diesem Spieltag reichlich Personal. Hendrik Behr und Tom Teichert-Tölg fehlten arbeits-, Thomas Handschuh und Heiko Menzel verletzungsbedingt. Letzterer fällt gar mit einer Meniskusverletzung voraussichtlich noch längere Zeit aus. Zu guter Letzt stand heute Co-Trainer Mike Kabelka alleine, ohne Chef-Coach Alexander Nicolaus, an der Seitenlinie. Aber unter dessen „Alleinregie“ hat die Truppe noch nie verloren – von daher ein gutes Omen!!??

Auch das Wetter zeigte sich beim warm up der Mannschaften von seiner sonnigen Seite. Pünktlich zum Anpfiff fielen dicke, fette Regentropfen die von Donnergrollen begleitet wurden. So wurde der Hinweis des Schiris notwendig, dass er das Spiel bei nahenden Blitzen sofort vorläufig unterbrechen wird.

Also ging es los: bei strömenden Regen und mit einem (Blitz)Tor in der 3. Minute! Eine schöne Flanke von der linken Außenbahn durch Daniel Ambrosius kann VfB Stürmer Enrico Saitenmacher, der sich zwischen beide Verteidiger geschoben hatte, seelenruhig aus der Luft runter nehmen und aus 13 Meter eiskalt unten links vollstrecken. Dem Führungstreffer folgen weitere Angriffe der Hausherren um ganz schnell das 2. Tor nach zu legen. Gestoppt wurde diese Unterfangen dann durch einen Pfiff des umsichtigen Schiedsrichters Markus Kunath in der 11. Minute. Das bedeutete nun erst mal Spielunterbrechung – am Ende für ganze 17 Minuten. Den Gästen konnte diese ungewollte Pause aber nur zu gefallen wissen. Kamen sie doch überhaupt noch nicht richtig ins Spiel und auch nicht in den gegnerischen Strafraum.

Als dann der Regen etwas weniger wurde und das Donnergrollen sich erst einmal verzogen hatte, ging es mit Fußball weiter. Und mit dem Ersten ernstzunehmenden Angriff von Motor Mitte, der gleich mit dem Ausgleich in der 16. Minute belohnt wurde. Ein strammer Schuss aus der 2. Reihe schlug über den machtlosen Goalie Michael Müller ein. Dessen erster Ballkontakt im Spiel war als damit verbunden, den Ball frustriert aus dem Netz zu holen. Nun versuchten die Leutewitzer ihrerseits wieder das Spielgeschehen an sich zu reißen und erzielten folgerichtig durch schönen Kombinationsfußball in der 21. Minute den erneuten Führungstreffer zum 2:1. Andreas Kramer schickte aus der Mitte heraus Bojidar Kirilov auf den linken Flügel, bekam den Ball vor der Strafraumgrenze wieder zurück auf den Fuß und konnte dann durch einen direkten Querpass den mitgelaufenen Daniel Nüsse freispielen. Dieser nahm den Ball mit seiner hervorragenden Technik Dropkick und knallte das Leder unhaltbar halbhoch in den rechten Winkel. Die VfB`ler blieben nun weiter am Drücker und erhöhten nur 7 Minuten später auf 3:1. Im zentralen Mittelfeld erkämpften sich Stephan Leischner und Andreas Kramer im Duett das runde Leder. Kramer schiebt anschließend den Ball auf den wieder einmal freien Daniel Nüsse, der sich diesmal auf dem rechten Flügel von seinen Bewachern abgesetzt hatte. „Nuss“ bedient Saitenmacher im Zentrum mit einer präzisen, butterweichen Flanke. Der Kapitän nimmt den Ball volley und haut den Knallbonbon unter die Latte ins Tor. Ein Tor schöner wie das andere. Aber die Freude über diese „zweitore“ Führung währte nur ganz kurz. Im Gegenzug verkürzten die „Motoren“ auf 2:3. Ein Abspielfehler im Aufbau durch Uwe Riese wurde sofort bestraft.

Ein trockener Schuss zischt wieder unhaltbar über Torwart Müller hinweg ins Tor. Plötzlich waren die Gäste im Vorwärtsgang und suchten ihre Möglichkeiten im Angriffsspiel. Und wurden in der 33. Minute ganz schnell mit dem Ausgleich zum 3:3 dafür belohnt. Wieder eine Fehlerkette im Abwehrverbund der Gastgeber wurde eiskalt genutzt – natürlich mit einem Weitschuss – natürlich unhaltbar. Unfassbar wie schnell man diese Führung wieder her geschenkt hatte. So ging es mit einem Unentschieden zur Halbzeit in die Kabinen um sich erst einmal trocken zu rubbeln. Nur der starke Regen gönnte sich keine Pause!

Die Gäste mussten verletzungsbedingt den Keeper austauschen. Wie sich im Verlauf der 2. Halbzeit herausstellte, war es keineswegs eine Schwächung. Das Spiel wurde immer umkämpfter und der Platz immer weicher. Der VfB versuchte auf den erneuten Führungstreffer zu drängen, musste aber höllisch aufpassen nicht in Rückstand zu geraten. Die Defensive wackelte an diesem Tag ein ums andere mal bedenklich. Aber der hohe Aufwand wurde in der 53. Minute mit dem 4:3 belohnt. Renè Langner bekommt im Strafraum den Ball zu Saitenmacher durch gespielt. Dieser setzt seinen Körper geschickt gegen 3 Gegenspieler ein, tänzelt sie aus, vernascht noch den 4 Gegner und schiebt dann links unten gekonnt in aller Ruhe ein. Wer nun dachte dass die Leutewitzer auf der Siegerstraße sind und das Ding nun in Ruhe runter spielen können, sah sich getäuscht. Plötzlich stand es 4:4 (67. Minute).

Ein wiederum vermeidbarer Abwehrfehler bescherte das unglaubliche 4. Gegentor in diesem Spiel. Nun war das Spiel völlig zerfahren – vor allem von Seiten der Gastgeber. Aber es gab ja noch den Mittelfeldantreiber und Kreativkopf Nüsse, den Regen und das drohende Unwetter. War ja anscheinend noch nicht spannend genug an diesem Tag. In der 87. Minute zog dann Nüsse zentral auf Höhe der Strafraumlinie mal wieder entschlossen ab und alle hatten den Torschrei schon auf den Lippen.

Ein Abwehrspieler lief mit letzter Konsequenz noch in die Flugbahn des Schusses, konnte aber den Ball nur noch durch ein unabsichtliches, aber irreguläres Handspiel am überqueren der Torlinie hintern. Ein Pfiff des Unparteiischen bedeutete für den Handsünder Platzverweis und für die 90er Elfmeter. Da war sie wieder! Die ewige Diskussion über Doppel- bzw. Dreifachbestrafung für ein einziges Vergehen. Ausschluss vom Spiel, eine Sperre und den Elfmeter. Sportlich fair verließ der „Sünder“ umgehend und ohne Protest das Spielfeld. Sicher hätte sich auch keiner der Gastgeber beschwert, wenn der Schiri in Anbetracht der doch am Ende etwas unglücklichen Abwehraktion nur Gelb gezeigt hätte.

Schließlich wurde auch keiner durch ein brutales Foul verletzt und eine wirkliche vorsätzliche Absicht das Tor mit der Hand zu verhindern war auch nicht erkennbar. Aber der Referee hat lauf Reglement keine andere Wahl bei Verhinderung einer klaren Torchance und tat daher das für ihn einzig Richtige. Dann wurde nochmal so richtig Spannung aufgebaut. Daniel Nüsse hatte sich schon den Ball am Elfmeterpunkt zurechtgelegt als Schiri Kunath wiederholt in seine Pfeife blies. Er sah sich, auf Grund der herannahenden Blitze, begleitet von Donner, genötigt die Partie erneut zu unterbrechen. Und das 3 Minuten vor Ultimo und auch noch vor Ausführung des fälligen Handstrafstoßes – es gibt schönere Momente im Fußballerleben!

Also Unterbrechung die Zweite war angesagt. Immer im ungewissen ob und wann das Spiel wieder angepfiffen werden kann. Es dauerte ganz 33 (!!) Minuten eher das Spiel wieder freigegeben werden konnte. Dass Dresden-Mitte natürlich gerne das Spiel, in Unterzahl und Elfer gegen sich, nicht wieder angepfiffen gehabt hätte, versteht sich aus deren Sicht von alleine. Aber weiter ging es in diesem außergewöhnlichen Spiel. Und auch die Unterbrechung konnte der Konzentrationsfähigkeit von Nüsse nichts anhaben. Er verlud den Keeper und verwandelte ganz sicher zur erneuten Führung. Nun hieß es, die letzten 4-5 Minuten, in Überzahl den Sieg mit nassem, aber kühlem Kopf ins Trockene zu bringen. Aber der VfB ließ sich jetzt nicht noch einmal in Bedrängnis bringen. Nach einem Pressschlag im Mittelfeld geht Leischner alleine auf und davon, lässt 2 Gegenspieler einfach stehen und schließt entschlossen unten rechts zum 6:4 ab. Das war es dann…

In einem nicht alltäglichen Spiel, welches am Ende 157 Minuten dauerte, siegten die Gastgeber letztendlich glücklich mit 6:4. Die Zuschauer sahen viele und vor allem sehr schöne Tore auf beiden Seiten. Die Gäste verlangten an diesem Tag den 90ern vieles ab. Die Defensivarbeit war heute das Sorgenkind im Spiel der Leutewitzer und kostete viel Nerven und Kraft.

Aber als intakte Mannschaft hat man aber alle Fehler und Unzulänglichkeiten immer wieder gemeinsam korrigiert und um den Sieg entschlossen bis zuletzt gefightet. Dank einer überragenden Offensive um dem 3fachen Torschützen Enrico Saitenmacher und Doppeltorschützen Daniel Nüsse steht unterm Strich der 2. Punktspielsieg im 3. Saisonspiel.

Im nächsten Spiel haben die AH des VfB 90 den SC Borea Dresden zu Gast – Anpfiff ist am Samstag, 27.09.2014, bereits um 10:15 Uhr.

Der VfB90 Dresden spielte:
Müller – Riese, Zieschang, Ambrosius, Eichhorn – Langner, Nüsse, Leischner, Kirilov – Saitenmacher, Kramer (bis 65.)

Ersatzbank: Lindner (ab 65.), Gessel
Torfolge:
1:0 03` Saitenmacher (Ambrosius)
1:1 16`
2:1 21` Nüsse (Kramer)
3:1 28` Saitenmacher (Nüsse)
3:2 29`
3:3 33`
4:3 53` Saitenmacher (Langner)
4:4 67`
5:4 87`Nüsse (Handelfmeter / Nüsse)
6:4 89`Leischner
Autor: A. Kramer

Besondere Vorkommnisse:

Rote Karte: Gästespieler (Handspiel auf der Torlinie / 87. Minute),
Spielunterbrechung auf Grund von Unwetter in Minute 11 (für 17 Minuten) und in Minute 87 (für 33 Minuten)